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Logotherapie und Existenzanalyse

Viktor E. Frankl entwickelte seine Logotherapie und Existenzanalyse ausgehend von der Psychoanalyse Sigmund Freuds und der Individualpsychologie Alfred Adlers. Sie wird bisweilen als «Dritte Wiener Psychotherapie-Schule» bezeichnet.


Mit «Logos» meint Frankl in erster Linie «Sinn». «Logotherapie» ist eine auf die Sinnfrage zentrierte sowie an Werten orientierte und auf Ressourcen bezogene Psychotherapie und Lebensberatung. Sie zielt im Wesentlichen darauf ab, Menschen in seelischen Notlagen und Sinnkrisen bei ihrer Suche nach Sinn im Leben, nach einer für sie sinnvollen Lebensgestaltung, zu begleiten.


«Existenzanalyse» bedeutet: Auslegung der «Existenz» als der spezifischen Seinsweise des Menschen. „Existieren“ heisst: als geistige Person zu den schicksalshaft vorgegebenen körperlichen, seelischen, sozialen und kulturellen Bedingtheiten des Lebens Stellung nehmen und sie, im Rahmen des Möglichen, in Freiheit und Eigenverantwortung gestalten. Diese Fähigkeit ordnet Frankl der «geistigen Dimension» des Menschseins zu.

 

Grundlage der Logotherapie und Existenzanalyse ist Frankls Anthropologie. Deren Kern ist ein ganzheitliches Menschenbild: Frankl sieht den Menschen als eine Einheit von Körper, Seele und Geist. Alle drei Komponenten sind in das psychotherapeutische und beraterische Geschehen einzubeziehen.

 

Ihr Hauptaugenmerk richtet die Logotherapie und Existenzanalyse auf die geistigen Komponenten des Menschseins, allem voran auf das grundlegende Sinnbedürfnis des Menschen (seinen „Willen zum Sinn“) und seine Freiheit und Verantwortlichkeit in der Lebensgestaltung.

 

Der „Wille zum Sinn“ ist nach Frankl die allem menschlichen Streben zugrundeliegende Grundmotivation des Menschen. Viele Menschen leiden darunter, dass dieses Grundbedürfnis nach sinnerfüllter Lebensgestaltung frustriert wird, ihre Frage nach Sinn im Leben keine Antwort findet. Manche zerbrechen daran. Und zwar nicht nur Menschen in Not, sondern gerade auch Menschen im Überfluss. In einer Welt wie der unsrigen, in der die Menschen genug zum Leben haben aber oft kein Wofür und Wozu ihres Lebens zu erkennen vermögen, ertönt immer lauter der Ruf nach Sinnhaftigkeit, nach Halt in tragfähigen Werten, nach Menschlichkeit.

 

Frankl hat diesen Ruf vernommen und die existenzielle Bedeutung der Sinn- und Wertfrage erkannt. Mit seiner Logotherapie und Existenzanalyse begegnet und unterstützt er Menschen in ihrem Bemühen um Sinnfindung, in ihrem Streben nach freier und eigenverantwortlicher Lebensgestaltung, in ihrer Suche nach tragenden Werten und nicht zuletzt im Tragen und Ertragen eines unabwendbaren und sinnlos erscheinenden Leidens.

Viktor E. Frankl

Prof. Dr. med. et phil. Viktor E. Frankl (1905-1997) war Professor für Psychiatrie und Neurologie an der Universität Wien und lehrte an verschiedenen Universitäten der USA (San Diego, Harvard, Stanford, Dallas und Pittsburg). Eine rege Vortragstätigkeit führte ihn durch alle Kontinente.
Aus aller Welt wurden ihm insgesamt 29 Ehrendoktorate verliehen.

 

Frankl entwickelte seine Logotherapie und Existenzanalyse in den Dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Zeit seiner Inhaftierung in vier Konzentrationslagern während des Zweiten Weltkriegs war ein erster Prüfstein seiner Lehre. Unter extremsten Bedingungen überprüfte er seine Überzeugung von der unbedingten Sinnhaftigkeit des Lebens und von der unzerstörbaren Würde des Menschen an Mithäftlingen, am Wachpersonal und vor allem auch an sich selbst. Und er fand sie bestätigt. In seiner Schrift ‚Trotzdem Ja zum Leben sagen‘ legte er davon Zeugnis ab.
Mit der Publikation dieser Schrift kurz nach Beendigung des Krieges und mit seinem wenig später veröffentlichten Hauptwerk ‚Ärztliche Seelsorge‘ legte er den Grundstein zur Verbreitung der heute vielfach empirisch überprüften Logotherapie und Existenzanalyse als sinnzentrierter Psychotherapie und Lebensberatung.

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